Bei Aleviten in der Schweiz tut sich was Als Nichtalevit (ich bin pensionierter protestantischer Pfarrer) an einem Integrations- und Bildungs-Wochenende teilzunehmen, verstand sich für mich nicht von selbst. Doch mein in Basel gewecktes Interesse am Alevitentum und meine gute Beziehung zu den Organisatoren und Initianten, H. Cihan und Antje Minkner Kanas, wogen schwerer als meine Bedenken wegen der fehlenden Türkischkenntnisse. Initiant und Organisator dieses Wochenendes war das Alevitische Kulturzentrum Regio Basel (AKZ) unter Mitwirkung der Föderation der alevitischen Gemeinden in der Schweiz (F.A.G.S. / I.A.B.F.). Eingeladen waren die eigenen Vereinsmitglieder, sodann Interessierte aus der Schweiz und Mitglieder der Kulturvereinigung der Aleviten und Bektaschi Basel. Mit der Einladung an die eigenen Leute wollte der Vorstand des AKZ den vielen unentgeltlich Mitarbeitenden danke sagen. Ihnen aber auch zu einem annehmbaren Preis drei „gesunde“ Ferientage ermöglichen und etwas von der Schönheit der Schweiz zeigen. Insgesamt nahmen etwa 80 AlevitInnen aus Basel und Umgebung sowie aus verschiedenen Gegenden der Schweiz teil. Die Jurahöhe über dem Bielersee zeigte sich in winterlichem Kleid. Das Hotel Feriendorf Twannberg mit seiner eigenwilligen Architektur und geeigneter Infrastruktur für solche Anlässe bot ein angenehmes Zuhause für dieses Treffen.
Wenn wir von Gehen sprechen, ist das erste, was wir damit assoziieren, der Weg.
Der Weg ist die Ursache und das Resultat unseres Gehens. Wir legen einerseits einen Weg zurück während dem Gehen, andererseits liegt einer vor uns, den wir in Angriff nehmen. Unser Gehen bestimmt den Weg, der Weg bestimmt unser Gehen.
Somit denke ich, wird uns in dieser Sache die Beschreibung dieses Weges unmittelbar hilfreich sein.
Was ist also der Weg, den wir gehen? Oder moralisch formuliert, wie sollte er sein?
Denn der Eintritt in einen Glauben bedeutet, dass der Mensch sich einen Weg auswählt, um ihn als den Seinen zu verfolgen. Er ist der richtige, ihn will er gehen.
Unser Weg ist der Weg des Schöpfers. Auf unserer Reise von der Geburt bis zum Tode sind wir auf der Suche nach dem Schöpfer.
Das Alevitentum ist eine eigenständige Religion, die in Anatolien (östliche Türkei) ihre Heimat hat. Die Aleviten bilden in der Türkei heute mit einem Anteil von 20 bis 30 % der Bevölkerung nach den sunnitischen Muslimen die grösste Religionsgruppe. Zu den Aleviten gehören Bevölkerungsgruppen türkischer, turkmenischer, kurdischer und arabischer Herkunft. Die Wurzeln des Alevitentums sind vielfältig. Dazu gehören u.a.: die alte Lehre Zarathustras, der Manichäismus, das Judentum, das Christentum, die Schia, die mystische Interpretation des Koran (Sufismus), der altsibirische Schamanismus der Turkvölker und der Humanismus des 20. Jahrhunderts.
Die Meinung, dass das Alevitentum eine eigenständige, nicht dem Islam unter zu ordnende Religion ist, wird heute vom Dachverband der Aleviten in Europa und in der Türkei allgemein vertreten.
Auch heute noch respektiert der türkische Staat die Existenz des Alevitentums nicht. Die Kinder alevitischer Eltern müssen den sunnitischen Religionsunterricht besuchen. Die auch heute noch bewusste Ausgrenzung und der Assimilierungszwang gegenüber den Aleviten führten dazu, dass die alevitischen Feste entweder nicht mehr offen oder lediglich als Folkloreveranstaltung, nicht aber als religiöse Feste, gefeiert werden durften. Innerhalb der alevitischen Bevölkerung gibt es verschieden Strömungen, die neben vielen Gemeinsamkeiten auch unterschiedliche Glaubensrituale, Lebensweisen und Feiertage kennen.